Warum dieses Archiv?
Vergessen ist der zweite Triumph der Unterdrückung.
Der erste war die Schließung. Der zweite ist so zu tun, als hätte das Geschlossene nie existiert. Dieses Archiv wurde gegen den zweiten aufgebaut.
Geschichte besteht nicht nur aus dem, was die Mächtigen schreiben. Dieses Archiv ist das, was die Lebenden schreiben.
Ausmaß
Die Zahlen sind abstrakt. Die Menschen dahinter nicht.
Das Problem
Schließen reichte nicht. Das Gedächtnis wurde auch ausgelöscht.
Eine Institution zu schließen ist ein juristischer Akt. Aber die darauf folgende Stille ist eine kollektive Belagerung. Vier Formen dieser Auslöschung:
Physische Auslöschung
Gebäude werden für andere Zwecke genutzt. Schilder wurden abgenommen. Selbst die Bäume im Hof sind noch da, aber das Gedächtnis der Institution wurde herausgerissen.
Historische Auslöschung
Geschlossene Institutionen wurden aus offiziellen Statistiken gestrichen. In Schulbüchern nicht erwähnt. Akademische Zitierung verboten. Als hätten sie nie existiert.
Identitätsauslöschung
Ein Abschluss von diesen Institutionen wurde zum Risiko. Viele entfernten ihn aus dem Lebenslauf. Der Satz "Ich habe dort studiert" musste wie ein Geständnis ausgesprochen werden.
Gesellschaftliches Schweigen
Familien erzählen ihren Kindern nichts. Freunde teilen nicht. Die Stille der Nachbarschaft ist eine wirksamere Zensur als offizielle Verbote.
Warum dieses Archiv existiert
Erinnern, erinnern lassen, erzählen.
Dieses Archiv existiert, um ein Gedächtnis, das ausgelöscht werden sollte, in die Zukunft zu tragen.
Diese Institutionen waren einst ein selbstverständlicher Teil des Alltags der Städte und Menschen.
Auf dem Schulhof waren die fröhlichen Stimmen der Kinder zu hören. In den Krankenhausfluren arbeiteten Beschäftigte im Gesundheitswesen, die Menschen helfen wollten. In Redaktionen jagten Journalisten der Wahrheit nach; in Hilfsorganisationen klopften Freiwillige an die Türen der Bedürftigen.
In einer Stiftung arbeiteten Menschen daran, verschiedene Gesellschaftsschichten zusammenzubringen und Inseln des Friedens zu schaffen. In einem Wohnheim sorgten Mitarbeiter Tag und Nacht für die Bedürfnisse der Studierenden. In einem Lesesaal erlebten Studierende die Freude kostenlosen Lernens — die zukünftigen Lehrer, Ärzte und Ingenieure.
Dann legte sich eine schwere dunkle Wolke über das Land. Türen wurden geschlossen, Schilder abgenommen, Archive zum Schweigen gebracht, Namen sollten ausgelöscht werden. Aber eine Institution zu schließen bedeutet nicht, dass sie nie existiert hat. Das Versiegeln eines Gebäudes löscht nicht das Gute, die Mühe, das Wissen, das Gebet und die Hoffnung, die darin gelebt haben.
Dieses Archiv existiert, um die Erinnerung an Institutionen zu bewahren, die wegen ihrer Nähe zur Hizmet-Bewegung geschlossen, beschlagnahmt oder zum Schweigen gebracht wurden. Denn diese Geschichte ist nicht nur die Geschichte der Institutionen — es ist die Geschichte von Lehrern, Ärzten, Unternehmern, Journalisten, Studierenden, Familien, Freiwilligen und Menschen, die an das Gute glaubten.
Es gibt heute Menschen, die davon nichts wissen. In der Türkei, in Europa, in Amerika, in Afrika, in den entlegensten Ecken der Welt... Später Geborene, in einer anderen Sprache Aufgewachsene, jene, die noch nicht begonnen haben zu fragen: „Was war geschehen?"
Dieses Archiv wurde gegründet, um auf diese Frage eine Antwort zu geben, die die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellt.
Türkisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Arabisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch und Russisch... In zehn Sprachen, um dieselbe Wahrheit zu erzählen:
Sie waren die Menschen dieses Landes. Sie haben gearbeitet, Gutes vermehrt, schöne Spuren hinterlassen. Jene geschlossenen Institutionen waren die Zeichen des Guten, das sie hinterlassen haben. Deshalb kann diese Erinnerung nicht ausgelöscht werden.
Existenz sichtbar machen
Dort gab es einen Lehrer. Einen Arzt, eine Krankenschwester, einen Journalisten, einen Studenten, einen Freiwilligen. Hinter jeder geschlossenen Institution bleibt eine menschliche Geschichte, eine Mühe, ein Gebet, eine Erinnerung. Dieses Archiv existiert, um jene „ausgelöschte" Präsenz wieder sichtbar zu machen.
An Generationen weitergeben
Es gibt heute Menschen, die es nicht wissen. Morgen werden Kinder, Enkel, Studierende da sein, die es wissen wollen. „Was war das für ein Ort?", „Wer war dort?", „Warum wurde es geschlossen?" werden sie fragen. Diese Seiten werden vorbereitet, damit jene Fragen nicht unbeantwortet bleiben.
Der Welt in 10 Sprachen erzählen
Dieser Schmerz blieb nicht innerhalb der Grenzen eines Landes. Getrennte Familien, geschlossene Schulen, zum Schweigen gebrachte Medien, beschlagnahmte Stiftungen hinterließen eine Erinnerung, die sich in alle Ecken der Welt erstreckt. Deshalb spricht dieses Archiv in 10 Sprachen: Türkisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Arabisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch und Russisch.
Es sichtbar machen
Schweigen heilt die Wunde nicht. Das Benennen des Geschehenen, das Aufzeichnen der Verlorenen, das Gedenken an die unsichtbar gemachten Menschen und Institutionen — das ist Teil der Heilung. Dieses Archiv existiert nicht für Rache, sondern für Erinnerung, Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Dieses Archiv wird von Forschern, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Technologiespezialisten und Freiwilligen betrieben, die einen Beitrag leisten möchten.
Unser gemeinsames Anliegen ist nicht politisch, sondern menschlich: die Auslöschung des Gedächtnisses zu verhindern. Jeder, der gegen Unterdrückung ist, hat einen Platz in diesem Archiv.